Wartenberger

Die Wiege des Adelsgeschlechtes liegt im Mittelisergebiet (Fluss Iser - tschechisch Jizera). Der älteste bekannte Vorfahre, der Kämmerer Markwart, wird im Jahr 1159 urkundlich erwähnt. Die ersten Generationen trugen Adelsprädikate nach den gehaltenen Gütern – von Březno und von Hruštice. Im 13. Jahrhundert kam es zur Teilung des Geschlechtes in die einzelnen Äste. Die Mitglieder nannten sich weiterhin nach den neu errichteten Burgen – von Michalowitz (Michalovice), von Lämberg (Lemberk), von Waldstein (Valdštejn) und von Wartenberg (Vartenberk). Die Wartenberger nahmen den Namen einer Burg an, die in der Nähe von Niemes (Mimoň) etwa um die Mitte des 13. Jahrhunderts gegründet wurde. Ihr Erbauer war Markwart von Scharfenstein (Ostrý bei Bensen / Benešov nad Ploučnicí) oder sein Sohn Beneš, der sich als erster von Wartenberg nannte (1281). Auf Beneš` Söhne gehen mehrere Linien des Geschlechts zurück – die auf Veselí, auf Kumburg, auf Kost und auf Tetschen (Děčín).

Die ursprünglich herzögliche, später königliche Burg Tetschen ging 1305 in den erblichen Besitz der Brüder Johann und Vaněk von Wartenberg über. Die Wartenberger hatten die höchsten Ämter des Landes (höchster Burggraf, höchster Kämmerer) sowie das Erbamt des Erzschenken des Königreichs Böhmen inne. Ende des 14. Jahrhunderts verbanden die Tetschener Wartenberger ihr Schicksal mit dem jungen Sigismund von Luxemburg, damals dem Markgrafen von Brandenburg. Johann III. von Wartenberg nahm teil an Sigismunds Feldzug gegen den Sultan Bajezid sowie an der Niederlage auf dem Amselfeld in Juni 1392. Zu Sigismunds Verbündeten gehörte auch Johanns Sohn Johann IV. von Wartenberg.

Seine Söhne Sigismund I. von Wartenberg und Johann V. von Wartenberg auf Blankenstein (Blansko), genannt „Blankstein“, waren an vielen militärischen Auseinandersetzungen der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts mit den Hussiten sowie mit den Nachbarn in Sachsen und in der Lausitz beteligt. Ein weiterer Johann von Blankenstein, ebenfalls „Blankstein“ genannt, war wahrscheinlich der Sohn des Erbauers der Burg Blankenstein Wenzel von Wartenberg. Er besaß die Burgen Winterstein und Karlsfried.

Sigismunds Söhne Heinrich und Johann beteiligten sich aktiv an der sogenannten „Wartenbergschen Fehde“ gegen Sachsen, den Lausitzern und dem Lausitzer Sechsstädtebund. An diesem Konflikt nahmen auch Johann von Wartenberg auf Blankenstein sowie weitere Geschlechtsmitglieder teil, insbesondere nach der Hinrichtung Johanns des Jüngeren von Rollberg (Ralsko) 1443 in Zittau. Die Tetschener Brüder führten auch einen Krieg gegen die Prager. Das führte schließlich zur Vereinigung des Prager Landfriedenbundes und des Lausitzer Heeres und zur Eroberung Tetschens. Bei der Verteidigung der Tetschener Burg im Jahr 1445 fiel Heinrich wahrscheinlich. Die Bedeutung der Adelsfamilie blieb durch Johann VI. von Wartenberg weiter erhalten, der zum Verbündeten des böhmischen Königs Georg Podiebrad wurde.

Sein Sohn Sigismund war der letzte Besitzer Tetschens aus dem Geschlecht der Herren von Wartenberg. Im Jahr 1511 verkaufte er die Herrschaft an Nikolaus Trczka von Leipa (Lipá).

Mit Johann Georg von Wartenberg auf Neuschloß (Nový Zámek), Kamnitz (Kamenice), Zvířetice, Leipa (Lipá), Groß Rohosetz (Rohozec), Turnau (Turnov), Rybnov (Rübenau) und Skály starb das Geschlecht 1647 aus. Als Teilnehmer des Ständeaufstandes in den Jahren 1618-1620 wurde Johann Georg 1622 sein gesamtes Eigentum konfisziert.

Das ursprüngliche Wappen aller Nachkommen des Kämmerers Markwart war ein Schild mit schreitendem Löwen. Um 1300 kam es zu einer Veränderung des Wappens, das sich seitdem als ein gold-schwarz gespaltener Schild mit geschlossenem Adlerflug in gold und schwarz mit goldenen Herzchen als Helmkleinod darstellte. In der Tetschener Geschlechtslinie wurde seit der Mitte des 14. Jahrhunderts ein spezifisches Kleinod benutzt, nämlich ein Boot mit ruderner Jungfrau. Ein Schild mit diesem Kleinod wurde später zum spezifischen und unverwechselbaren Wappen des Geschlechtssenioren und Inhabers des Erbtitels des Erzschenken Königreichs Böhmen. Seit dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts wird der Wappenschild des Geschlechtes von einem grünen Drachen umwunden; dessen Ursprung liegt im ungarischen Drachenorden und in den ungarischen Gepflogenheiten bei der Wappenbildung der Adeligen. Nach einer Überlieferung soll der Drache im Wartenbergischen Wappen auf Čeněk von Wartenberg zurück gehen (+1425), den einstigen höchsten Burggrafen und einen Verbündeten des Königs Sigismund. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist allerdings Sigismund von Wartenberg auf Tetschen (+1518) der Gründer dieser Tradition, der als erstes Mitglied des Geschlechtes begann, seinen Wappenschild mit dem Drachensymbol zu umwinden.