550 Jahre der Unterzeichnung des Vertrags von Eger und die sächsisch-böhmische Grenze

Das Projekt ist in Zusammenarbeit der Bürgerinitiative „Iniciativa pro děčínský zámek“ (Initiative für das Děčíner Schloss) und der Verwaltung des Schlosses Weesenstein in Sachsen entstanden. Unser Ziel ist es, die wenig bekannten Abschnitte unserer gemeinsamen Geschichte der Öffentlichkeit zu präsentieren. In diesem Fall handelt es sich vor allem um den Prozess der Formierung der böhmisch-sächsischen Grenze, der mit der Unterzeichnung des sogenannten Vertrags von Eger 1459 beendet wurde. Die durch den Vertrag von Eger festgesetzte Grenze ist die älteste historische Grenze der heutigen Bundesrepublik Deutschland.

Erforschen Sie die Grenze: Die interactive Landkarte wird Sie auf verschiedene Orte im Grenzgebiet führen.

Landkarte

Der Vertrag über die Grenze wurde besiegelt mit der Hochzeit zwischen Zdena, der Tochter Georg Podiebrads, und Albrecht, dem Sohn des sächsischen Kurfürsten Friedrich II. Er bedeutete das Ende der über nahezu sechzig Jahre andauernden militärischen Auseinandersetzungen. Zu diesen gehörten unter anderem die sogenannten „Dohnaischen Kriege“ nach 1400, sächsische Militärzüge gegen das hussitische Böhmen, die „herrlichen Heerfahrten“ der Hussiten und ihre Angriffe in Sachsen sowie militärische Auseinandersetzungen zwischen den Sachsen und Georg Podiebrad.

Während dieser Zeit veränderten sich die Verhältnisse im Königreich Böhmen gravierend. Die erste erfolgreich vollendete Reformation in der Weltgeschichte spielte sich hier ab. Die hussitische Bewegung und die anschließenden Verhandlungen mit dem Basler Konzil brachten dem Land die Anerkennung eines legalen „Doppelglaubens“. Im Laufe der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden die Machtzentren innerhalb des böhmischen Staates neu definiert, wobei die Machtposition des Adels am tiefgreifendsten betroffen wurde.

Auch das Herzogtum Sachsen (nach 1423 als sächsisches Kurfürstentum bezeichnet) machte in dieser Zeit eine dynamische Entwicklung durch. Für ihre treuen Dienste dem Kaiser wurden die dort herrschenden Wettiner mit Kurstimme belohnt, also mit dem Recht zur Wahl des römisch-deutschen Königs. Das sächsische Kurfürstentum konstituierte sich in einer schwierigen Zeit, die vor allem durch innere brudermörderische Kämpfe um das Wettinische Gebiet, aber auch durch Streiten mit den böhmischen Nachbarn im Grenzland gekennzeichnet war.

Mit unserem Projekt möchten wir der Öffentlichkeit die vielfältigen historischen Ereignisse nahe bringen, die auf beiden Seiten der Grenze zu der Zeit geschahen, als sich die heutige „Linie auf der Karte“ formte.