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Schloss Aussig

Eine vollständig untergegangene Burg im Stadtzentrum von Aussig. An ihre Existenz erinnert bis heute nur der im Namen einer Straße überlieferte Ortsname „Burgstadtel“ („Hradiště“).

Die Stadtburg von Aussig entstand an der Stelle einer Vorgängerburg, welche neben der Kontrolle über dem Elbe-Wasserweg und der damit verbundenen Zolleinhebung die Ausübung der Staatsverwaltung in diesem Teil des böhmischen Přemysliden-Staates gewährleistete. Im Zusammenhang mit der Umwandlung der damaligen Ortschaft Aussig zu einer königlichen Stadt in den 30er Jahren des 13. Jahrhunderts, auf jeden Fall aber vor 1249, wurde diese ältere Vorgängerburg zu einem qualitativ hochwertigeren Siedlungstyp umgebaut: Zu einer steinernen hochmittelalterlichen königlichen Burg. Über die Aussiger Burg existiert lediglich eine einzige schriftliche Aufzeichnung, und zwar die aus dem Jahr 1283, als die Burg kurzfristig an Otto von Brandenburg verpfändet wurde. Selbst die Umstände ihres Untergangs sind nicht sicher bekannt. Zum Verhängnis wurde der Aussiger Burg wahrscheinlich die Gründung der neuen königlichen Burg Schreckenstein (Střekov) in ihrer unmittelbaren Nähe im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts. Wenn die Stadtburg nicht schon in dieser Zeit unterging, überdauerte sie spätestens bis ins 15. Jahrhundert als ein zweitrangiges oder umgenutztes Objekt. Zur endgültigen Zerstörung der Burg kam es wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Stadt nach der Eroberung durch die hussitischen Heere im Jahr 1426. Die autonome Stadtverwaltung hatte gar keinen Grund für die Erhaltung eines Bauwerkes, dass ihrer Macht übergeordnet sein würde. Dieser Vermutung entsprechen auch archäologische Erkenntnisse, die belegen, dass das Burgareal in dieser Zeit endgültig in den Stadtorganismus eingegliedert wurde.

Die frühmittelalterliche Burg befand sich in einer mäßig erhöhten Lage über der Mündung des Flusses Bilin (Bílina) in die Elbe, in der Nähe der heutigen St.-Adalbert-Kirche. Auf diese Lage weist nicht nur der überlieferte Ortsname „Burgstadtel – Hradiště“ hin, sondern auch die Ergebnisse einer archäologischen Untersuchung, die die Existenz eines 20 m breiten Grabens in diesem Gebiet nachweisen konnte. In den 30er Jahren des 13. Jahrhunderts wurde der Graben auf einmal zugeschüttet und auf seiner Stelle eine steinerne Ringmauer errichtet. Über die Innenbebauung der steinernen Burg fehlen uns jegliche Erkenntnisse, lediglich einige Objekte der Vorgängerburg konnten archäologisch erfasst werden. Hinsichtlich ihres räumlichen Ausmaßes könnte die Burganlage mit dem unbebauten Platz zwischen der Mariä-Himmelfahrt-Kirche und der St.-Adalbert-Kirche übereinstimmen, der auf einem Stadtplan von 1843 erfasst wurde. Über das mögliche Erscheinungsbild kann man nur Vermutungen aufgrund von Analogien zu anderen Burgen der böhmischen königlichen Städte anstellen (zu den besterhaltenen gehören z. B. Kaaden / Kadaň oder Písek).

Die königliche Burg in Aussig wurde mittels ihrer Außenmauer in die Stadtbefestigung eingegliedert und beteiligte sich somit an der Stadtverteidigung. Trotzdem bildete sie eine eigenständig befestigte Einheit innerhalb der Stadt, die von der Stadtbebauung durch eine innere Ringmauer getrennt wurde.
• Im Jahr 1278, nach dem Tod des böhmischen Königs Přemysl Ottokar II. in der Schlacht auf dem Marchfeld, herrschte in Böhmen Regierungslosigkeit. Wenzel, der minderjährige Sohn von Přemysl, wurde von seinem Vormund Otto V. von Brandenburg auf der Burg Bösig (Bezděz) langfristig interniert. Für Wenzels Freilassung verlangte Otto 20.000 Pfund Silber. Weil die böhmischen Adeligen nicht imstande waren, diese Summe sofort aufzutreiben, erhielt Otto mehrere bedeutende nordböhmische Städte und Burgen als Pfand: Die Stadt Zittau mit Ronburg (Ronov), die Burg Scharfenstein (Ostrý) mit der anliegenden Stadt, die Burgen Bösig und Tetschen (Děčín), die Stadt und Burg Aussig, die Stadt und Burg Brüx (Most) und die Burg Schwaden (Svádov). Die verpfändeten Besitztümer genoss er jedoch nicht lange: im Jahr 1283, kurz nach der Freilassung des zwölfjährigen Königssohns Wenzel, erklärte der römische König Rudolf von Habsburg die Verpfändung für ungültig.

Ort

50° 39' 31.5504" N, 14° 2' 27.7512" E